Trip nach Freetown

Montag, 02.06.2014

Vorabinfo: Um nach Sierra Leone einreisen zu dürfen bedarf es eines Visums, welches bei der Botschaft von Sierra Leone in Berlin beantragt werden muss. Leider macht es das Land einem nicht gerade leicht, denn man braucht eine schriftliche Einladung aus dem Land, eine Bestätigung der Bank über genügend Geldreserven für den Notfall (nur für das Jahresvisum) und eine Gelbfieberimpfung. Hat man all das erfüllt, bedarf es noch etwas an Geduld und der Gebühr über 180€ für das Visum. Kommt man am Flughafen an, bekommt man einen Stempel in den Pass, der für die nächsten 30 Tage gültig ist. Diesen Stempel muss man nach einem Monat dann wieder erneuern lassen, was sich nur in Freetown machen lässt. Dies war der Grund für meinen Trip nach Freetown. Am Sonntagmorgen sollte es zusammen mit einem deutschen Arzt und dem Manager des Krankenhauses losgehen nach Freetown und nach nur 1 ½ Stunden Verspätung verließen wir auch schon Bo. Der Arzt, Michael Elstner (hat in Gila's Hospital gearbeitet), wollte noch ein paar Tage in der Stadt verbringen bevor er am Donnerstag zurück nach Deutschland geflogen ist. Am Montagmorgen habe ich mich also mit meinem Pass und gültigem Visum zum Immigration Office begeben. Das Gebäude befindet sich direkt in der Stadt und ist in einem so schlechten Zustand, dass es selbst für das Land hier ein wenig peinlich ist. Immerhin müssen hier alle Ausländer hin, um ihren Stempel zu erneuern. Dort angekommen wurde ich in ein Büro geführt und und musste dem Mann meine Situation erklären. Man könnte ja meinen, die Angestellten müssten wissen worum es sich handelt, jedoch musste dieser erst seinen Vorgesetzten rufen. Dieser erklärte mir dann, dass es ein neues Gesetz seit 2014 gibt, welches alle ausländischen Arbeiter (auch unbezahlte Freiwillige) dazu verpflichtet eine Arbeitserlaubnis zusammen mit dem neuen Stempel zu erwerben. Diese Sollte mich weitere 135€ kosten und ich konnte nicht glauben, was ich da höre. Ich kaufe mir ein Visum für 180€ in Deutschland um hier einen Freiwilligendienst zu absolvieren und muss für meinen Lebensunterhalt selbst aufkommen und dafür will der Staat noch einmal so viel Geld haben. Nach einer hitzigen aber sinnlosen Diskussion verließ ich wieder das Büro und begab mich erst einmal mit Michael in die Stadt, um ein wenig mehr von Freetown zu sehen. Ich kannte noch nicht viel von der Stadt und hatte sie als dreckige und chaotischsten Ort der Welt in Erinnerung. Daran hat sich auch nichts geändert, jedoch gibt es auch wirklich wunderschöne Ecken, die ich zuvor noch nicht kannte. Zu zweit sind wir in die höher gelegenden Wohngegenden gefahren, in denen sich auch die Botschaften der meisten Länder befinden und die kleine Elite des Landes ihren Wohnsitz hat. Ich war immer noch irritiert, ob ich denn nun so eine Genehmigung brauche, also entschlossen wir uns einen kleinen Abstecher zur deutschen Botschaft in Sierra Leone zu machen und uns dort zu erkundigen. Diese tätigten extra ein paar Anrufe für mich, konnten jedoch nur bestätigen was ich im Immigration Office gesagt bekommen hatte. Den Rest des Tages verbrachten wir in Hill Station, der Gegend in der auch die Botschaften sind. Allgemein kann man sagen, dass der Osten von Freetown sehr, sehr arm ist und der Westen etwas reicher, besonders die erhöhten Wohngebiete. Nicht so chaotisch und verbunden mit asphaltierten Straßen, ist die Gegend fast schon erholsam zu all dem Trubel in der Innenstadt. Die nächsten Tage verbrachte ich zusammen mit Marisa (spanische Freiwillige von Caritas), dem franzöisch-sierraleonischen Carl und Bernadette, einer Frau aus Burkina Faso die hier für ein Tochterunternehmen von Toyota arbeitet. Eine Mitarbeiterin von Caritas sagte mir, sie könnte mir den Stempel für meinen Pass kostenlos besorgen, da Caritas als NGO besondere Rechte verfügt und Sie eine Tante im Immigration Office hat. Dienstagabend gab ich also meinen Pass mitsamt Flugdaten weiter und bekam gesagt, dass das ganze Prozedere pünktlich bis Mittwochmittag zu meiner Abreise wieder fertig sei. Die Preise in Freetown sind hoch und ich hatte mich mit meinen Ausgaben ein wenig verschätzt. Für den Notfall hatte ich meine Kreditkarte dabei und in der Stadt gibt es nun etwa 20 Geldautomaten. Mit meinem letzten Geld ließ ich mich in die Stadt fahren um etwas Geld abzuheben für die nächsten Tage. In Bo hatte es schon zweimal geklappt und somit war ich zuversichtlich, dass es auch an einem der Automaten hier klappt. Ich probierte jeden einzelnen Automaten in der gesamten Stadt und meine Karte funktionierte bei keiner einzigen Bank. Da stand ich nun: alleine in Westafrika im Osten Freetowns ohne einen einzigen Cent und ohne Aussicht auf Geld. Ich konnte nicht einmal zurückfahren also musste ich knapp 4 Kilometer zum Caritas Office laufen um dort nach Hilfe für mein Problem zu fragen. In der gleichen Zeit versuchte meine Mutter Kontakt mit der Bank aufzunehmen und nach der Ursache für das Problem zu fragen. Bei Caritas angekommen bekam ich dann etwas Geld für den Notfall und Heimweg und die Nachricht meiner Mutter, dass mit der Kreditkarte kein Problem vorliegt. Wir entschlossen uns, mir etwas Geld über Western Union zu transferieren, sodass ich genügend Leone für den Rückweg und die Versorgung meiner Grundbedürfnisse habe. Am Nachmittag war mein Pass immer noch nicht fertig und er sollte es auch nicht vor Freitagmorgen sein. Am Donnerstag machte ich mich also wieder auf den Weg in die Stadt um das Geld an einen der vielen Filialen abzuholen. Dort angekommen kam dann die ernüchternde Nachricht, dass dies nur mit meinem Pass gehen würde und ich konnte wieder den gesamten Weg zurücklaufen. Leider war Marisa während diesen Tagen in Guinea und Bernadette geschäftlich unterwegs und quasi niemand da von dem ich mir etwas Geld hätte leihen können. Abends traf ich mich dann mit Carl in einer der vielen Strandbars und er konnte mir aus der Misere helfen. In einem langen Straße direkt an der Promenade reiht sich eine Strandbar neben die andere und man kann hier super bei Sonnenuntergang ein Bier trinken und dem Treiben entfliehen. Freitagmorgens bekam ich dann auch ohne Probleme meinen Pass zurück und zufällig war der Direktor des Krankenhauses in Freetown und konnte mich mit zurück nach Bo nehmen. Das Blatt schien sich wieder gewendet zu haben und nach 5 Tagen in Freetown war ich wirklich froh, abends wieder in Sweet Bo (das ist der Spitzname) anzukommen.

 

Mein Zimmer bei Father Peter Konteh in Freetown Housekeeper Ishmael westliches Restaurant in Freetown Diplomatenfahrzeug Obststand  Blick auf Freetown Afrikanisches Gerüst Die Hügel über Freetown Fahrt zu einem der Armenviertel Slum und Müllhalde im Westen von Freetown Ca 8€ in Scheinen

 

Mehr Bilder folgen in Kürze!

 

 

Lieben Gruß,

 

 

Maada

Das Leben in Bo!

Sonntag, 01.06.2014

Das Leben in Bo! Das Leben in Afrika ist ein ganz anderes als man es aus Europa kennt. Dies liegt zum einen an der Mentalität der Menschen, frei nach dem Motto: was du heute kannst besorgen, das mache vielleicht übermorgen. Aber auch die gesamten alltäglichen Dinge müssen hier anders bewältigt werden als bei uns in Deutschland: Mein Wohnbereich im Kinderheim besteht aus einem Zimmer mit Bett und einem kleinen Bad. Es gibt zwar Vorrichtungen für eine Dusche, und auch Waschbecken und Toilette sind vorhanden, jedoch gibt es keinen Wasseranschluss, sodass ich immer zuerst Wasser aus dem Brunnen holen muss. Dieser hat erst seit den letzten 2 Wochen wieder Wasser, da er in der Trockenzeit komplett austrocknet. In dieser Zeit muss das Wasser von einem Brunnen einige hundert Meter weiter geschöpft werden, was bei 35 Grad im Schatten eine echte Tortur seien kann. Bevor ich also dusche oder die Toilette spüle, wird zuerst einmal Wasser aus dem Brunnen gepumpt und dann ins Bad geschleppt. Das kostet einiges an Zeit und Kraft jeden morgen. Aber auch das Waschen der Kleidung dauert um einiges länger, denn ohne Waschmaschine wird natürlich alles mit Hand gewaschen und dann auf der Wäscheleine aufgehängt in der Hoffnung, dass es nicht regnet in dieser Zeit und selbst dann braucht es wegen der hohen Luftfeuchtigkeit deutlich länger als bei uns zuhause. Somit kann das gesamte Prozedere gerne mal 2 Stunden dauern, hätten wir es bei uns doch in 5 Minuten alles in der Waschmaschine gehabt. Ähnlich ist es mit dem Kochen. Anfangs habe ich mit einem Kerosinkocher gekocht, jedoch gibt es häufig Engpässe mit Kerosin, bzw. allgemein mit Treibstoff, und somit koche ich jetzt mit Holzkohle, was den gesamten Kochvorgang noch einmal langsamer werden lässt. Somit brauche ich für all die alltäglichen Dinge einfach deutlich länger und einiges an Zeit geht dadurch verloren. Anfangs war es komisch für mich, sich an diese langsamere Mentalität zu gewöhnen. Hergekommen mit einer Vielzahl an Ideen und der Vorstellung den gesamten Tag an einem Projekt zu arbeiten, konnte ich mich dann doch recht gut anpassen und habe mich daran gewöhnt, dass alles hier etwas gemütlicher zugeht. Das kann oft ziemlich störend sein, aber natürlich auch sehr gemütlich. Letzte Woche wurde ich dann Zeuge von einem Naturspektakel, wie ich es noch nicht erlebt habe. Der gesamte Himmel zog sich zu, es wurde richtig finster und es fing richtig an zu stürmen. Auf einmal begann es zu regnen und zu stürmen, wie ich es mir nicht hätte vorstellen können. Innerhalb einiger Minuten war das gesamte Heim vollkommen überflutet und der Regen wurde nur noch stärker. Auf einmal begann es walnussgroße Hagelkörner zu regnen und so etwas hat es hier in den letzten Jahrzehnten nicht gegeben. Nicht wissend, dass die kleinen Geschosse auch Schaden anrichten können, rannten die Kinder auf den Hof um den „Schnee“ einzufangen und ganz schnell in eine Kühlbox zu legen, um ihn für später aufzubewahren. So unglaublich das Spektakel auch anzusehen war, es hinterließ eine Spur der Verwüstung. In der näheren Umgebung sind mehrere Häuser zerstört worden und die Straße hinunter wurde ein Mann vom Blitz getötet. Auch eine Schule war betroffen, bei der das gesamte Dach weggeflogen ist. Ein solcher Schaden bringt die Menschen hier an die Grenze ihrer Existenz, denn ohne Versicherung und staatlicher Unterstützung sind sie vollkommen auf sich allein gestellt.

 

Kinder vor einem der zerstörten Dächer zerstörtes Gebäude  Michel, ein deutscher der an einer Schule Unterrichtet

Genaueres zu Telu

Freitag, 23.05.2014

Da ich in nächster Zeit häufiger nach Telu fahren werde, wollte ich in diesem Beitrag einmal etwas genauer auf das Projekt und dessen Aufbau eingehen. Unlimited Partnership hat mir angeboten, mehr bei dieser Arbeit mitzuwirken und somit bin ich zusammen mit Henry hier in Bo der Ansprechpartner bezüglich der Mikrokredite in diesem Dorf. Henry ist hauptberuflich Lehrer für Mathematik und hat 2 Kinder und eine Frau. Ca 2 mal pro Woche fährt er nach Telu um dort das Projekt zu betreuen und sich dadurch noch etwas Geld dazu zu verdienen. Als man vor 3 Jahren beschloss eine Aktion mit Mikrokrediten zu starten, entschied man sich für Telu, da dort der Direktor und auch der Manager des Krankenhauses geboren wurden und dadurch einfach eine Verbindung zur Dorfgemeinschaft aufgebaut werden konnte. Je mehr man ins Landesinnere reist, desto mehr sprechen die Menschen nur ihre Stammessprachen. In Telu gibt es keine englischsprachigen Einwohner und somit muss Henry für mich alles übersetzen. Ziel des Projekts ist es, Frauen die Möglichkeit zu geben unabhängig und selbstständig zu arbeiten, sodass sie mehr in den lokalen Einzelhandel integriert werden. Am Anfang waren es knapp 50 Frauen, jedoch sind einige direkt nach dem Auszahlen des ersten Kredites mit dem Geld getürmt. Heute sind noch ca 30 Frauen aktiv und sie haben mithilfe der Kredite einiges erreichen können: es gibt eine eigene Bäckerei im Dorf, die ihr Brot in Bo verkauft, ein Klassenraum wurde gebaut um Erwachsene weiterzubilden und ein kleiner Marktplatz ist entstanden, auf dem die Frauen ihre Waren (Palmöl, Reis, Fisch aus dem Fluss und vieles mehr) verkaufen können. Meine Aufgabe ist es, über die Aktivitäten Bericht zu führen und mit den Frauen über Probleme, Ideen und Zukunftspläne zu sprechen. Bei meinem letzten Besuch in Telu hatte ich leider nicht viel Zeit, sodass ich mit ihnen nicht über alles sprechen konnte. Ein aktuelles Problem ist, dass der Ofen der Bäckerei Hitze verliert und man bis jetzt noch nicht das Problem gefunden hat. Dadurch wird derzeit mehr Brennholz benötigt und die Produktionskosten sind gestiegen. Auch das Wellblechdach macht ihnen zu schaffen, da durch kleine Löcher Wasser eindringt und die Sorge besteht, dass während der bevorstehenden Regenzeit der Teig und auch die Brote nass werden. Bei einem starken Sturm hat sich das Dach des Klassenraumes für die Erwachsenen gelöst und während ich da war, versuchte man es zu reparieren. Die Kosten belaufen sich auf 200.000 Leone (ca 36€) und das Geld wurde aus den Einnahmen der Bäckerei genommen. Nun werde ich Rücksprache mit den Leitern der Organisation halten, um über die Probleme zu diskutieren und eine Lösung zu finden.

 

Lieben Gruß,

 

Maada

Welcome to Sierra Leone

Freitag, 23.05.2014

Beitrag

Telu

Sonntag, 18.05.2014

Am Freitag bin ich wieder nach Telu gefahren, das Dorf in dem ich für Unlimited Partnership das Mikrofinanzprojekt besucht habe und beaufsichtige. Zusammen mit Henry, Sierra Leoner und örtlicher Mitarbeiter, bin ich mit ihm auf dem Motorrad morgens nach Telu gefahren um nach der allgemeinen Situation zu schauen und nach Problemen zu fragen. Wie auch letztes Jahr wurden wir liebevoll empfangen und die Kinder freuten sich unglaublich über unseren Besuch. Nach einer Versammlung mit der halben Gemeinde, wurden wir wieder durch das Dorf geführt und uns wurden die kleinen Veränderungen gezeigt, die in dieser Zeit entstanden sind. Am Ende unseres Besuchs, habe ich mich noch mit der Chefin des Bakeryprojektes getroffen, um über Probleme, Erfolge und die allgemeine Situation zu sprechen, bevor es nachmittags wieder nach Hause ging.

 

Versammlung der Frauen und Kinder  Kinder :) Wasserpumpe, die nicht funktioniert Der Ofen Schule in Telu Überall Kinder :)  Dachdecker :D Überall gibt es Bananen Straße in Telu  Maada und die Kinder

Fahrt nach Kenema

Sonntag, 18.05.2014

Am Anfang der Woche entschloss ich mich nach Kenema zu fahren, eine kleinere Stadt ca 60 km von Bo entfernt. Da es hier richtig Spaß macht, auf den kleinen Motorrädern mitzufahren und sich den Fahrtwind ins Gesicht wehen zu lassen, entschied ich mich, die Strecke selber mit dem Motorrad zu fahren. Etwas Übung habe ich schon durch das Rollerfahren zuhause in Deutschland also hab ich auf der Straße eine Okadafahrer angesprochen, ob er es mir nicht beibringen könnte und zusammen mit ihm bin ich dann auf das verlassene Flugfeld gefahren um ein bisschen zu üben. Die Motorräder sind alle von der gleichen Marke (TVS aus Indien) und viele von ihnen in miserablem Zustand. Mit vier Zylindern und ein paar PS aber recht einfach zu fahren und ziemlich leicht. Also fast genauso wie Rollerfahren. Für 7€ lieh mir der Fahrer sein Motorrad für den Tag aus und nach dem Volltanken ging es am Mittwochmorgen los. Direkt hinter Bo wurde ich zum ersten mal von der Polizei angehalten. Ein weißer auf dem Motorrad sehen auch die nicht jeden Tag. Da ich jedoch damit gerechnet habe, hatte ich meinen Pass und einen internationalen Führerschein dabei. Einige Tage zuvor habe ich mich noch mit dem Chef des Verkehrsministeriums der Provinz getroffen und für alle Fälle gab er mir noch seine Nummer. Die Straße nach Kenema ist gut ausgebaut und eigentlich recht wenig befahren. Bei strahlender Sonne hielt ich kurz vor einem Dorf an einem Fluss an, um ein paar Fotos zu machen. Als ich wieder losfahren wollte, ging auf einmal mein Bike nicht mehr an und ich musste bei über 30 Grad das Ding bis ins nächste Dorf schieben, wo es glücklicherweise ein paar Jungs gab, die sich angeblich damit auskannten. Jeder wusste natürlich besser als der andere, woran es denn nun liegen könnte, sodass nach einer halben Stunde mein halbes Motorrad zerlegt wurde und meine Hoffnung schwand, an diesem Tag noch nach Kenema zu kommen. Letzendlich, Batterien gewechselt; Getriebe auseinander gebaut, haben sie eine neue Zündkerze eingebaut und das Motorrad lief wieder wie geschmiert. Mit 3€ weniger in der Tasche (1€ für die Zündkerze und 2€ für die Arbeit) und einer Stunde Verspätung konnte ich dann endlich weiterfahren und erreichte auch wenig später Kenema, die Hauptstadt der Eastern Province. Umgeben von einer tollen Naturlandschaft, bietet die Stadt an sich relativ wenig. Hier befindet sich die Hochburg des Diamantenhandels und man sieht an jeder Straßenecke einen Händler der seltenen Steine. Nach einem gemütlichen Mittagessen und einer kleinen Stadtrundfahrt fuhr ich wieder gemütlich und ohne Probleme zurück nach Bo.

Frauen waschen sich am Fluss Mine am Fluss Parkanlage vom Pastoral Center in Kenema

2 Wochen sind schon rum

Sonntag, 11.05.2014

Nach knapp 2 Wochen bin ich wieder richtig angekommen und habe mich gut eingelebt. Die letzte Woche war auch der Start für mein Videoprojekt mit Interviews und anderen Videos. Am Montag war ich zu Besuch bei Musa Bainda, Direktor von Gila's Children and Community Hospital hier in Bo. Träger dieses Krankenhauses ist Hilfe Direkt e.V. aus Oldenburg und seit 2011 existiert der neue Gebäudekomplex mit vielen verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten. Einen Teil seiner Ausbildung verbrachte Herr Bainda in Saarbrücken, Frankfurt und München, bevor er Manager eines Hotels in Freetown wurde. Seit einigen Jahren arbeitet er nun für Hilfe Direkt und freundlicherweise hat er sich die Zeit für ein kleines Interview genommen. OP-Saal Privatzimmer

 

Auch die Kinder im Heim werden größer und unabhängiger, besonders die Jungs. Oft treffen sie sich nach der Schule mit Freunden und somit ist im Heim nicht immer was los. Entstanden aus der Situation nach dem Krieg, gibt es heute nicht mehr so viele Waisen und es scheint, als wäre dieses Projekt ein Ausläufer. Schlafsaal der Mädchen Doris und ich :-) Father Peter kam zu Besuch und hatte sich für den Abend perfekt angezogen :-) Maada kocht Cecilia und Mariama beim waschen Mariama

Dadurch kann ich mich mehr dem Microfinance Projekt widmen, was mich voraussichtlich nächste Woche Samstag wieder nach Telu führen wird. Zusammen mit Henry, dauerhafter und einheimischer Mitarbeiter, werde ich die Ergebnisse dokumentieren und Erfolge bzw. Misserfolge begutachten.

 

Gestern war ein großer Tag in Sierra Leone! China Aid, eine chinesische Organisation, investiert derzeit sehr viel Geld in Sierra Leone. Sie waren am Bau des Flughafens beteiligt, haben eine Eisenbahnstrecke gebaut (um Bauxit und andere Rohstoffe schneller zu exportieren) und in Bo ein großes Stadion gebaut. Man hätte das Geld bestimmt besser investieren können, aber nun steht am Stadtrand von Bo ein Stadion für mehr als 7000 Menschen. Es ist bei weitem das modernste und auch das einzige seiner Art in Sierra Leone und hat einen ähnlichen Standard wie europäische Stadien in der Größenordnung. Es passt einfach nicht hier hin, umgeben von Wellblechhütten Vor 2 Wochen eingeweiht, wurde dort gestern das erste Spiel ausgetragen. Zusammen mit 3 Freunden haben wir uns das Spiel der U21 von Ghana gegen Sierra Leone angeschaut und es war eine tolle Stimmung (obwohl wir verloren haben). Leider ist das Land auch hier ziemlich unorganisiert gewesen und man konnte die Karten erst am gleichen Tag kaufen und es gab ein Chaos und Gedränge, wie ich es wohl vorher noch nicht gesehen hatte. Nichtsdestotrotz war es ein super Nachmittag.    Das Stadion von außen. es passt nicht in die Umgebung

 

Der Regen kommt endlich zurück! Seit ca 2 Wochen regnet es alle paar Tage und nachts gab es auch schon für ein paar Stunden Strom. Derzeit nutzen wir einen kleinen Generator um Laptop und Co zu laden, jedoch gibt es auch nicht immer Benzin an den Tankstellen. Durch den Regen füllen sich auch so langsam wieder die Brunnen, die seit einiger Zeit trocken gelaufen sind. Bis jetzt müssen wir noch ca 10 min zum nächsten Brunnen laufen, aber auch das sollte sich in ein paar Tagen geändert haben. Mit mehr Strom wird auch die Internetverbindung wieder schneller und ich hoffe, so schnell wie möglich die Videos hochgeladen zu haben.

 

Bis bald, Maada Bo Kurz vor dem Regen  Mangostand an der Straße Eingang zum Markt Altes Gebäude am verlassenen Landeplatz Am verlassenen Flughafen ehemalige Landebahn, die seit der asphaltierten Straße nach Freetown nicht mehr benutzt wird Tankstelle in Bo Es lässt sich mehr mit dem Motorrad transportieren, als man denkt ehemaliger Tennisplatz Dohas Hotel. Das beste Hotel in der Stadt Die RUF existiert immernoch als Partei Ali, der Kaffeehändler 

Die ersten Tage...

Samstag, 03.05.2014

Nach einem perfekten Flug von Brüssel nach Freetown bin ich am Montag Nachmittag am Flughafen Lungi gelandet. Für das Krankenhaus in Bo hatte ich einen Koffer mit Medikamenten dabei und der Direktor des Krankenhauses war so nett und holte mich vom Flughafen ab. Mit Hilfe eines Bekannten wurde ich ohne Probleme am Zoll vorbeigeführt draußen erwartete mich bereits Herr Musa Bainda mit dem Wagen. Die Hitze hat mich genauso wie letztes Jahr wieder erschlagen aber er hatte wirklich an alles gedacht und mir eine eiskalte Flasche Wasser besorgt. Die Fähre nach Freetown fuhr an diesem Tag nicht pünktlich, sodass wir bis 21 Uhr hätten warten müssen ehe wir die Stadt erreichen. Wir entschlossen uns direkt nach Bo zu fahren und bei offenem Fenster fuhren wir dem Sonnenuntergang entgegen und erreichten die Stadt kurz vor Mitternacht. Ich wohne diesmal zusammen mit Daniel, einem anderen Freiwilligen, und die letzten Tage sind damit drauf gegangen, einige essenzielle Dinge zu besorgen. Ein paar Tage vor mir sind noch 4 andere deutsche hier angekommen. Sie sind mit der methodistischen Kirche hier und unterrichten an einer Schule Französisch und Mathematik. Abends hatten wir uns bei ihnen für ein Bier verabredet und als wir gegen 22 Uhr noch ziemlich Hunger bekamen, hatten wir uns dazu entschlossen noch schnell in die Stadt zu fahren und an einem der vielen Stände einen leckeren Snack zu kaufen. Ich entschied mich für Hühnchen ohne genau zu wissen was für ein Teil des Huhns ich essen werde. Es schmeckte eig gar nicht mal so schlecht bis auf das kleine Knacken jedes mal, wenn ich kräftig zugebissen hatte. Also haben wir nochmal genau nachgefragt und das leckere Hühnchen war der Arsch des Tieres... Nachdem wir uns noch ein paar andere Sachen gekauft hatten, wollte ich so schnell wie möglich nach Hause denn der Wind wurde immer stärker und das ist ein Vorbote für sehr starken Regen. Wir schnappten uns schnell ein Okada (Motorradtaxi) doch auf halber Strecke, mitten im Nirgendwo und bei einem unglaublichen Gewitter, mussten wir absteigen da es echt zu gefährlich wurde und die Tropfen wie Hagelkörner auf einen einprasselten. Sowieso schon vollkommen durchnässt nahmen wir es mit Humor und wanderten nach Hause und wurden dadurch zu einem lustigen Bild für alle Einheimischen, die uns unterwegs grüßten! :) Heute Morgen habe ich einen libanesischen Freund getroffen, der mit Kakao und Kaffee handelt und auch exportiert. Wir hatten uns für den Mittag vorgenommen zusammen was zu trinken und er wollte mir noch ein neu eröffnetes Hotel am Stadtrand zeigen. Wir waren schon fast angekommen als wir in der Ferne eine Polizeisperre sahen und Ali direkt sagte „schnall dich an, schnall dich an!!“ Wir wurden natürlich herausgewunken und sie wollten Ausweise und haben Nummernschild und Versicherung kontrolliert. Anscheinend war die Versicherung seit 2 Tagen abgelaufen und die Polizei wurde ziemlich laut. Zusammen mit einem Polizeiofficer fuhren wir zurück in sein Büro um die Sache zu klären. Die beiden gingen in ein Hinterzimmer und ich vermute mal, dass sie versuchten die Sache ohne viel Bürokratie zu lösen, bis auf einmal 10 Polizisten und Polizeiauto auftauchten und er mitsamt Auto auf das Revier begleitet wurde. Nach einem kleinen Strafzettel durfte er dann wieder gehen... Donnerstagabend ist Father Peter Konteh nach Bo gekommen. Er ist Chef der Caritas hier im Land und ein hochangesehener Mann. Er hat mit viel Eigenkapital dieses Heim gegründet und alle Kinder hier blicken zu ihm hinauf. Gestern war ich noch zusammen mit ihm beim Bischof der Southern Province essen bevor ich abends mit einem Bier und Livemusik den Abend ausklingen ließ. Diesmal habe ich mir vorgenommen, ein paar kleine Videos zu drehen um ein „lebendiges“ Bild von Sierra Leone zu zeigen und die schönen Seiten des Landes hervorzuheben!

Bis bald,

tolles Licht beim Sonnenuntergang eine der Aunties  die Küche kleiner Peter Doris beim waschen Der Brunnen wird repariert Moses  Cecilia Chief Maada

Er ist wieder da

Donnerstag, 01.05.2014

Wie wahrscheinlich einige von euch damals mitbekommen haben, bin ich letztes Jahr nach ca 4 Wochen wieder nach Hause geflogen. Nach Malaria und Apollo habe ich eine abgeschwächte Form von Typhus bekommen und mich so schwach gefühlt, dass ich richtig Angst bekommen habe. Das alles zusammen hat mich dazu entschlossen wieder nach Hause zu fliegen und noch einmal zurück zu kehren wenn ich wieder richtig fit bin. Rückblickend hätte ich auch da behandelt werden können, aber ich bin von einer Krankheit in die nächste geschlittert und darunter hat auch meine Psyche bzw. Motivation gelitten. Ich hatte mir feste vorgenommen wieder an diesen Ort zu kommen und jetzt ist es soweit! Besser vorbereitet (diesmal wurde eifrig geimpft) und körperlich fitter bin ich seit ein paar Tagen wieder in dem gleichen Kinderheim in Bo. Für die nächsten Monate werde ich hier wohnen und arbeiten also verfolgt meinen Blog und begleitet mich auf meinem Abenteuer in Sierra Leone!

Besuch in Telu

Samstag, 21.09.2013

Ich stehe morgens früh auf und kann meine Augen kaum aufmachen. Sie sind ziemlich vereitert und geschwollen. Nach ein paar Augentropfen geht es wieder etwas besser und ich mache mich daran meine Klamotten zu waschen. Wasser vom Brunnen holen, alles in einen großen Eimer und dann rann ans Schrubben. Nach 1 Stunde bin ich fertig und hänge alles auf. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit braucht die Kleidung sehr lange und jetzt darf es den ganzen Tag nicht regnen.

 

Um 10 Uhr werden wir von Henry, der Microfinance Officer, und Alhaji abgeholt um uns auf den Weg nach Telu zu machen. Hier ist das Mikrokreditprojekt und ich möchte einen ersten Besuch abstatten.

Die Strecke ist gerade mal 20 Kilometer lang und wir brauchen mehr als eine Stunde für das kleine Stück. Die Straßen sind schlecht und wir fahren wirklich mitten in den Busch.

 

Als wir ankommen, warten die Leute schon freudig auf uns!

Überall wird dir "pumui" hinterhergerufen und die Kinder rennen hinter dem Auto her. Pumui bedeutet Weißer.

Wir wurden mit einer Freude und Herzlichkeit empfangen, die ich so nicht kenne. Die Frauen tanzen und singen, die Kinder wollen einen anfassen und das man Fotos von ihnen macht.

Wir haben eine kleine Einführung, wobei uns Alhaji alles übersetzen muss, denn die Frauen sprechen kein Englisch.

 

Das Projekt läuft wie folgt ab: Die Frauen bekommen einen kleinen Betrag an Geld, um damit sich ein kleines Geschäft im Einzelhandel aufzubauen. Den Frauen wurde ein eigener Ofen gebaut mit dem sie jetzt Brot und Gebäck backen um es in Bo zu verkaufen.

Die Rückzahlquote ist hoch und man kann sehen, das alle Frauen in dem Programm sichtlich zufrieden sind.

Einige kaufen und verkaufen Palmöl, andere verkaufen Reis und Fisch.

 

Die sonstige Situation in dem Dorf beeindruckt mich. Es gibt keinen Strom und nur ein paar wenige Brunnen. Die Menschen leben wirklich wie vor mehr als 100 Jahren. Dennoch ist der Großteil glücklich und zufrieden.

 

Nach 2 Stunden und voller Eindrücke machen wir uns wieder auf den Rückweg, denn um 13 Uhr wird freitags gebetet. Straße nach Telu Einer der Brunnen Der Ofen Überall Kinder! Ein Teil der Frauen aus dem Projekt Leider trifft nicht alles davon richtig zu... Alle Kinder wollen ein Bild Frauen beim waschen Reisfelder Reisfelder Die Kinder wollen deine Hand anfassen. Fühlt sie sich genauso an wie meine? Eine Frau, die durch das Projekt jetzt selber Fisch verkauft Leider herrscht auch hier der Hunger..! Mitten in der Menge der Dorfeinwohner  Straße nach Telu Pipipause Nicht fertiggestellte Gebäude aus der Kriegszeit

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